Süddeutsche Zeitung, 22. März 2010 Pralles Theaterleben
(…) Eine Inszenierung, die nahezu vollkommen vom Ensemble der seelisch erkrankten Darsteller und ihrer Therapeuten getragen wird – nicht zuletzt, weil es ein Geheimnis bleibt, wer Patient ist und wer nicht. Dies erzeugt ein Bühnenerlebnis, das mit allen Maßstäben bricht, die man auf dem Theater im Allgemeinen anwenden kann. Vielmehr öffnet sich dabei eine Dimension irgendwo zwischen Fiktion und Wirklichkeit. (…) Die Ränder der Handlung und ihrer Konventionen fransen dabei mehr und mehr aus und finden ihren bewegenden Höhepunkt in der Schlussszene.


Abendzeitung, 16. November 2009 Geheimnisvolle Aura
Was in den Kammerspielen epische vier Stunden währt, hat Anette Spola am TamS-Theater zu einer leicht surrealen szenischen Skizze von etwas mehr als einer Stunde verdichtet. Mit „Kleiner Mann, was nun?“ nach Hans Falladas Roman von 1932 wurden die Grenzgänger Theatertage unter der Schirmherrschaft von Gerhard Polt eröffnet. Das integrative Festival ermöglicht die Begegnung mit Kunst Behinderter. Was im richtigen Leben Handicap ist, kann, wenn es so professionell und einfühlsam erweckt wird wie von TamS-Chefin Spola und Rudolf Vogel, auf der Bühne besondere Fähigkeit sein. Das Spiel von Barbara Altmann und Zoltan Sloboda als der gutmütige Hans und seine Frau, die tapfere Emma, genannt Lämmchen, ist kompromisslos durchlässig für die Figuren, die von einer geheimnisvollen Aura umgeben bleiben, wie sie ein nichtbehinderter Profischauspieler kaum herstellen kann. Die Episoden vom kleinen Glück im großen Verliebtsein gegen alle Widerstände werden in einfachen, aber starken Theaterbildern erzählt. In einer Fabrik zur Zeit des jüngsten und noch nachwirkenden Zusammenbruchs der globalen Finanzmärkte, wo die Arbeiter Opel-Blitze am Kittel tragen und sich die Quelle-Pakete stapeln, beginnt eine Zeitreise zur Weltwirtschaftskrise der 20er-Jahre, in der Fallada seinen Roman vom Leben dicht am Abgrund angesiedelt hat.

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